1 Die Initiative

Intention und Motivation

Rechtliche Grundlage für ein bGE sind die Artikel 1 bis 6 des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland.
Das Grundgesetz garantiert darin jedem Menschen ein Leben in Menschenwürde mit, neben der Erfüllung der grundlegendsten Bedürfnisse, einer angemessenen Teilhabe an Bildung, Kultur, freier Persönlichkeitsentfaltung und familiärer Geborgenheit. – So kann es zumindest ausgelegt werden.

Dieses höchstgesetzliche Versprechen kann nach unserer Auffassung nur mit einem bedingungslosen Grundeinkommen gerecht und uneingeschränkt gewährleistet werden.

Diese Freiheitsrechte müssen, besonders in einer modernen Industriegesellschaft, in der niemals alle Menschen in gleichem Maße an den volkswirtschaftlichen Errungenschaften teilhaben können, grundlegend und auf finanzieller Ebene gesichert werden.

Es gibt keinen Menschen, der als Schmarotzer der Gesellschaft geboren wurde, oder der aus reiner Böswilligkeit oder Eigennutz sich von der Gesellschaft „durchfüttern“ lassen will. – Das Bestreben eines jeden Menschen ist es, innerhalb seines sozialen Umfelds, anerkannt zu sein und jeder Mensch ist, selbst ohne finanziellen Anreiz, dazu bereit, seinen Beitrag zu den grundlegenden Bedürfnissen einer Gesellschaft zu leisten; immer in angemessenem Maße seiner physischen und psychischen Leistungsfähigkeit.

Dies sollte die Grundlage einer jeden menschlichen Gesellschaft sein.

Und diesen Beitrag zu leisten, müssen wir den Menschen die Freiheit geben, sie emanzipieren, sie „von der Hand lassen“ – von der Hand des Staatsapparates, welcher heute noch kontrollierend und zwingend in die soziale Struktur eingreift.

Philosophische Grundlage eines bGE ist Erich Fromms Hauptwerk „Haben oder Sein“1
Fromm postuliert darin, dass die wahren Bedürfnisse eines Menschen in einer Gesellschaft nicht finanzieller oder materieller Natur sind, oder sein werden, sondern sich am menschlichen Wohlsein orientieren.
Der Antagonismus zwischen Mensch und Gesellschaft wird durch Solidarität ersetzt, maximaler Konsum durch vernünftigen Konsum, Kooperation ersetzt Dissoziation.

Wirtschaftlich freie, unabhängige Menschen neigen nicht zu Faulheit, sondern engagieren sich für ihre soziale Umgebung, sie streben nach Bildung, ein Leben lang, sind hilfsbereit, politisch unabhängig und gehen Rattenfängern nicht auf den Leim.
Mit der wirtschaftlichen Freiheit entsteht geistige Freiheit und daraus folgend Kreativität, sowohl geistige wie auch künstlerische, ganz im Sinne von Joseph Beuys, der in diesem Zusammenhang von der „sozialen Plastik“2 sprach.

Obwohl die Arbeitslosenzahlen historisch niedrig sind, leben immer mehr Menschen in unserer Gesellschaft in relativer Armut, oder sind davon bedroht. Die Bildungsmisere schreitet voran und die Tafeln sind überlastet. Kinder, Gehandicapte und alte Menschen werden zunehmend an den Rand der Gesellschaft gedrängt.
Gleichzeitig stehen die Börsenindizes auf historischen Höchstständen, die Managergehälter sind auf astronomische Höhen geklettert und die Wirtschaftsunternehmen machen trotz teuren Umweltskandalen und Missmanagement Milliardengewinne wie noch nie.

Dies sind gute Gründe über eine neues soziales Gesellschaftssystem intensiv nachzudenken und neue Modelle zu propagieren und auszuprobieren.

Eine Grundeinkommensgesellschaft ist dabei nicht ein Ferienlager, eine Wohlfühlveranstaltung für Faulenzer und Nichtstuer.
Das Gegenteil ist der Fall: Die Freiheit eines bedingungslosen Grundeinkommens verhilft dabei jedem Einzelnen zu mehr Emazipation, zu mehr Eigenverantwortung und damit zu mehr Eigeninitiative und Kreativität in der Gestaltung von Gesellschaft. Sie hilft bei der Ausgestaltung und Umsetzung neuer Utopien für eine menschlichere Zukunft.

Intention der Initiative bedingungsloses Grundeinkommen Lüneburg – Wendland ist es, zur Modernisierung der bundesdeutschen sozialen Marktwirtschaft in Richtung einer gerecht funktionierenden technologisierten Informations- und Bildungsgesellschaft beizutragen.

Dafür setzen wir uns ein, durch Förderung von Bildung und Wissenschaft, um dadurch an der Verwirklichung einer sozialen Gesellschaftsutopie konstruktiv mitzuwirken.


1 Erich Fromm – Haben oder Sein. Die seelischen Grundlagen einer neuen Gesellschaft, ISBN 978-3-423-34234-6
2 Wolfgang Zumdick – PAN XXX ttt: Joseph Beuys als Denker. Sozialphilosophie – Erkenntnistheorie – Anthropologie, ISBN 978-3-932-38656-5